Ferdinand August Wennemar Holthausen

  • Ordentlicher Professor für Englische Philologie in Kiel von 1902 bis 1925, dabei ab 1911 Direktor des Englischen Seminars
  • Gastprofessor für Ältere Germanistik und Englische Philologie an der Universität Frankfurt am Main von 1927 bis 1935
  • Forschungsschwerpunkte: altenglische Literaturgeschichte, vergleichende und historische Lautlehre der englischen Sprache, Altfriesisch, Altsächsisch, Gotisch, althochdeutsche Dichtungen
  • Lehrschwerpunkte (Universität Frankfurt): ältere Germanistik; gotische Übungen, Altsächsisch, althochdeutsche Texte
  • Mitglied der NSDAP ab 1933
  • Im Entnazifizierungsverfahren 1947 als nicht-beteiligt eingestuft, da Holthausen angab, er sei der NSDAP beigetreten, weil er an eine Besserung der sozialen Lage glaubte

Ferdinand August Karl Wennemar Holthausen wurde am 9. September 1860 in Soest geboren. Seine Eltern waren August Holthausen, ein Kaufmann und früherer Fabrikant, und Bernhardine Holthausen, geborene Freytag, beide aus Soest. Er besuchte zunächst das Archivgymnasium in Soest und erlangte dort 1880 das Abitur. Nach seinem Studium der deutschen Philologie, Indogermanistik, englischen Philologie und vergleichenden Sprachwissenschaften unterrichtete er als Privatdozent erst in Heidelberg, später in Göttingen und in Gießen, wo er auch als Lehrer am Realgymnasium arbeitete. Im Jahre 1893 heiratete er in Darmstadt Thekla Stegmayer, mit der einen Sohn und drei Töchter hatte. Nachdem er 7 Jahre lang als ordentlicher Professor für germanische Sprachen in Göteborg (Schweden) gelehrt hatte, war er bis zu seiner Emeritierung 1925 als Professor in der englischen Philologie an der Universität Kiel tätig. Anschließend setzte Holthausen seine Lehrtätigkeit als Gastdozent an der Universität Frankfurt am Main von 1927 bis 1935 fort.
Holthausen war bis etwa 1910 katholisch, danach allerdings konfessionslos. Aufgrund seines Alters musste er an keinem der beiden Weltkriege teilnehmen und leistete somit auch keinen Militärdienst. 1933 trat er der NSDAP bei, konnte jedoch beim Entnazifizierungsverfahren 1947 glaubhaft machen, weder antisemitisch eingestellt noch an politischer Propaganda beteiligt gewesen zu sein.

Holthausen starb am 19. September 1956 in Wiesbaden im Alter von 96 Jahren.

1880-1884 Studium der deutschen Philologie, Indogermanistik, vergleichenden Sprachwissenschaften und englischen Philologie in Leipzig, Heidelberg, Jena und Berlin
1884 Promotion in Leipzig: „Studien zur Thidrekssaga“
1885 Habilitation in Heidelberg: „Der Vocalismus der Soester Mundart“
1885-1891 Privatdozent für Germanische Philologie und Allgemeine Sprachwissenschaften in Heidelberg
1888-1891 Privatdozent für Englische Philologie in Göttingen
1891 Lehrer am Realgymnasium in Gießen
1891-1892 Privatdozent für Englische Philologie in Gießen
1892-1893 nicht beamteter außerordentlicher Professor für Englische Philologie in Gießen
1893-1900 ordentlicher Professor für Germanische Sprache in Göteborg (Schweden)
1900-1902 beamteter außerordentlicher Professor für Englische Philologie in Kiel
1900-1912 Dozent an der Marineakademie in Kiel
1902-1925 ordentlicher Professor für Englische Philologie in Kiel
ab 1911 Direktor des Englischen Seminars der philosophischen Fakultät in Kiel
1925 Ruhestand
1927-1935 Gastdozent für Ältere Germanistik und Englische Philologie in Frankfurt am Main
ab 1932 hält keine Vorlesungen mehr

Monographien

  • Die Soester Mundart. Laut- und Formenlehre nebst Text. Leipzig 1886.
  • Die englische Aussprache bis zum Jahre 1750 nach dänischen und schwedischen Zeugnissen. 2 Bde. Göteborg 1895-1896.
  • Lehrbuch der altisländischen Sprache. 2 Bde. Heidelberg 1899.
  • Altsächsisches Elementarbuch. Heidelberg 1899.
  • Etymologisches Wörterbuch der englischen Sprache. Leipzig 1917.
  • Altfriesisches Wörterbuch. Heidelberg 1925.
  • Altenglisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1934.
  • Gotisches etymologisches Wörterbuch des Altwestnordischen, Altnorwegisch-isländischen einschließlich der Lehn- und Fremdwörter sowie der Eigennahmen. Göttingen 1948.
  • Altsächsisches Wörterbuch. Münster 1954.

Aufsätze (Auswahl)

  • Studien zur Thidrekssaga. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 9 (1884), S. 451-503.
  • Gotica. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 48 (1902), S. 268-269.
  • Wortdeutungen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 46 (1922), S. 125-146.
  • Nordfriesische Studien. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 49 (1925), S. 267f.
  • Die Runeninschrift auf dem Thorsberger Schildbuckel. In: Germanisch-romanische Monatsschrift 15 (1927), S. 237.
  • Zur germanischen Wortkunde. In: Germanisch-romanische Monatsschrift 16 (1928), S. 239.
  • Die Soester Nibelungensage. In: Soester Heimatkalender 9 (1930), S. 45f.
  • Zu mittelenglischen Dichtungen. In: Anglia – Zeitschrift für englische Philologie 56 (1932), S. 58-68.
  • Zur Erklärung und Textkritik des „Sir Tristan“. In: Anglia – Zeitschrift für englische Philologie 598 (1934), S. 374-383.
  • Die altenglischen Neunkräutersegen. In: Englische Studien 69 (1934/35), S. 180-183.
  • Altfriesische Münzwerte und Bußsätze. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 60 (1936), S. 458-460.
  • Eine neue lateinische Fassung der Andreaslegende. In: Anglia – Zeitschrift für englische Philologie 62 (1938), S. 190-192.
  • Gotisch „gadaukans“. In: Germanisch-romanische Monatsschrift 27 (1939), S. 77.
  • Ein me. Hymnus auf Maria und Christus. In: Anglia – Zeitschrift für englische Philologie 64 (1940), S. 191-195.
  • Zur Textkritik des „Beowulf“. In: Studia neophilologica 14 (1941/42), S. 160.
  • Das Alter der südwestfälischen Diphthonge. In: Zeitschrift für Mundartforschung 18 (1942), S. 105-107.
  • Zu den Eddaliedern. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 80 (1944), S. 155-156.
  • Wortkundliches III. In: Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der Indogermanischen Sprachen 73 (1955), S. 95-103.
  • Etymologien. In: Indogermanische Forschungen: Zeitschrift für Indogermanistik und allgemeine Sprachwissenschaft 1 (1956), S. 151-157.

Editionen (Auswahl)

  • Vices and Virtues. Being a Soulʼs Confession of its Sins, with Reasonʼs Description of the Virtues. A Middle-English Dialogue of about 1200 A.D. 2 Bde. London 1888 (Early English Text Society. Original Series 89).
  • Cynewulfʼs Elene. Heidelberg 1905 (Alt- und mittelenglische Texte 4).
  • Beowulf, nebst Finnsburg-Bruchstück: mit Einleitung, Glossar und Anmerkungen. 2 Bde. Heidelberg 1905-1906 (Alt- und mittelenglische Texte 3, 2).
  • Sir Perceval of Gales. Zusammen mit John Campion. Heidelberg 1913 (Alt- und mittelenglische Texte 5).
  • Die ältere Genesis. Heidelberg, New York 1914 (Alt- und mittelenglische Texte 7).
SoSe 1928 Gothisch (2-stdg.)
WiSe 1928/29 Einführung in das Studium der englischen Etymologie
Erklärung von Cynewulfs Elene (Holthausen-Ausgabe)
SoSe 1929
Einführung ins Altfriesische
WiSe 1929/1930 Altsächsische Grammatik mit Übungen
SoSe 1930 Liest nicht
WiSe 1930/31 Erklärung althochdeutscher Texte nach Braunes Lesebuche
SoSe 1931 Liest nicht
WiSe 1931/1932 Erklärung des Nibelungenlieds (Text von Bartsch)
Gotische Übungen (nach Braunes Grammatik)
ab SoSe 1932 Liest nicht

Antrag zur Lehre an der Universität Frankfurt am Main

Nachdem Holthausen in Kiel emeritiert wurde, ziehen er und seine Frau aus gesundheitlichen Gründen nach Wiesbaden. Bereits im Sommer 1927... [Weiterlesen]

Der Imelmann-Konflikt

Als 1929 Rudolf Imelmann auf den zuvor von Francis Curtis besetzten anglistischen Lehrstuhl berufen wird, entsteht damit ein Konflikt mit Holthausen. Imelmann fordert mit seiner Berufung eine Beschränkung des Lehrrechts Holthausens auf die germanische Philologie... [Weiterlesen]

Holthausens Position in der Wissenschaft

Holthausen stellte sein Leben ganz in den Dienst der Wissenschaft. Bis ins hohe Alter veröffentlichte er noch wissenschaftliche Beiträge und vor allem umfassende Werke im Bereich der Wortetymologie. Neben seiner Arbeit als Etymologe war Holthausen ebenfalls darum bemüht, ältere Texte zu edieren und zu kommentieren. ... [Weiterlesen]

Quellen und Literaturverzeichnis

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