Leo Frobenius

(29. Juni 1873 – 9. August 1938)

von Steven Cerncic

Der Ethnologe Leo Frobenius gilt als der Begründer der Afrikaforschung in Frankfurt. Er wurde 1873 als Sohn des preußischen Offiziers Hermann Frobenius in Berlin geboren. Ohne das Abitur zu vollenden verließ er das Gymnasium, um eine Lehre als Kaufmann zu absolvieren, und arbeitete danach als Volontär in Bremen, Basel und Leipzig an völkerkundlichen Museen. Diese seien „seine eigentliche Universität“ gewesen, soll er später behauptet haben, denn nachdem seine Habilitationsschrift „Der Ursprung der afrikanischen Kulturen“ von zwei (je nach Quelle, einer) deutschen Fakultäten nicht akzeptiert wurde, wandte er sich von der Universität ab.

1898 gründete Frobenius das Afrika-Archiv in Berlin, welches 1920 unter dem Namen „Institut für Kulturmorphologie“ erst nach München und schließlich 1925 nach Frankfurt verlegt wurde, da er hier ausreichende finanzielle Unterstützung erhielt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Forschungen mit Privatmitteln finanzieren müssen. Die Universität Frankfurt ernannte Leo Frobenius 1932 zum Honorarprofessor, und ab 1935 war er Direktor des Städtischen Museums für Völkerkunde. Frobenius unternahm ab 1908 bis zu seinem Tod 1938 ausgedehnte Forschungsreisen, die ihn unter anderem in den Kongo, in den Westsudan, nach Nigeria aber auch bis nach Südafrika und Indien führten. Auf seinen Reisen galt sein besonderes Interesse den Felsmalereien, der afrikanischen Kunst im Allgemeinen, der Kulturgeschichte und den sozialen Strukturen Afrikas, die er unter anderem in drei Bänden mit dem Titel „Und Afrika sprach“ festhielt. Obwohl Frobenius aufgrund seines widersprüchlichen Wesens schon zu seinen Lebzeiten umstritten war, gilt er als einer der führenden Ethnologen seiner Zeit.

Leo Frobenius´ besondere Leistung liegt in seinem Bestreben, schon damals ein neues, gerechteres Bild von Afrika und seinen Kulturen zu zeichnen und das auf Europa fokussierte Denken zu hinterfragen. Er starb 1938 im Alter von 65 Jahren in Biganzolo (Italien). Das von ihm gegründete „Institut für Kulturmorphologie“ überdauerte allen Widrigkeiten zum Trotz den zweiten Weltkrieg und wurde 1964 in „Frobenius-Institut“ umbenannt.

 

Quellen


Steven Cerncic, Leo Frobenius (29. Juni 1873 – 9. August 1938), in: USE: Universität Studieren / Studieren Erforschen, 13.07.2014, URL: http://use.uni-frankfurt.de/geopgraphie/cerncic/.