Evaluation des Projekttages

Nach unserem Projekt war es uns natürlich auch wichtig zu erfahren, wie die SchülerInnen den Projekttag erlebt und empfunden haben. Somit fand einerseits direkt am Projekttag eine kleine Feedbackrunde statt, andererseits wurden auch anonyme Fragebögen ausgefüllt, um möglichst hilfreiche und genaue Meinungen festzuhalten. Die Fragebögen bestanden aus Multiple-Choice-Fragen und einem frei schreibbaren Teil, in dem die SchülerInnen zum Ausdruck bringen konnten, was ihnen gefallen, beziehungsweise nicht gefallen hat und wie ihr Fazit in einem Satz aufällt. Da die Ergenisse aus der kleinen Feedbackrunde und dem frei schreibbaren Teil der Fragebögen fast identisch sind, gehen wir hier nur auf die Fragebögen ein.

Der Multiple-Choice Teil des Fragenbogens fiel bei 25 befragten SchülerInnen folgendermaßen aus: (Anmerken sollte man an dieser Stelle, dass manche SchülerInnen auch gelegentlich nichts angekreuzt haben.)

Zusammengefasst kann man sagen, dass die meisten SchülerInnen davon überzeugt sind, dass das Gelernte nicht in einem Klassenzimmer lernbar gewesen wäre. Bei der zweiten Frage waren sich die SchülerInnen einig und fanden es interessant, Gespräche mit englischsprechenden Muttersprachlern zu führen. Bei der Effektivität der Interviews gehen die Meinungen wieder etwas auseinander, aber im Grunde genommen empfanden die meisten SchülerInnen die Interviews als ‚zufriedenstellend‘. Nicht zu übersehen ist dabei natürlich, dass auch ein großer Teil der SchülerInnen ‚ziemlich‘ und ‚auf jeden Fall‘ angekreuzt hatte.

Erfreulich ist es zudem auch zu sehen, dass sehr viele Schüler recht motiviert waren. Zudem kann angemerkt werden, dass kein Schüler mit ‚gar nicht‘ geantwortet hat. Für viele Schüler zahlte sich die Motivation auch aus und sie hatten die Möglichkeit, interessante Dinge zu erfahren. Jedoch gab es auch einige, die anscheinend nicht so interessante Gespräche geführt hatten. Genaueres erfährt man bei der nächsten, also der sechsten, Frage. Das ist die Frage, auf die die Antworten am vielfältigsten ausfielen. Bei einigen Schülern entwickelte sich das Interview in ein richtiges Gespräch, jedoch gab es auch manche SchülerInnen, bei denen dies nicht der Fall war. Das erklärt teilweise, warum das Interesse mancher SchülerInnen nicht geweckt werden konnte.

Die Vielfältigkeit der Antworten ändert sich auch bei der nächsten Frage kaum. Viele SchülerInnen gaben an, dass sie sich nach diesem Projekt eher trauen, fremde Menschen auf Englisch anzusprechen. Bei anderen gab es wiederum keine fühlbare Veränderung. Es sollte dabei jedoch auch beachtet werden, dass drei SchülerInnen angemerkt haben, dass es ihnen bereits zuvor nicht an Mut fehlte. Dem achten Diagramm entnehmen wir weiterhin, dass die meisten SchülerInnen viel Neues über Amerikaner gelernt haben. Jedoch beantwortete kein/e SchülerIn die Frage mit ‚auf jeden Fall‘. Einige hatten sogar das Gefühl, dass sie nicht wirklich etwas über das Leben der Amerikaner in Deutschland gelernt haben. Wichtig war für uns vor allem die neunte Frage und es erfreute uns sehr, dass duch den Projekttag, eine gewisse Sympathie für Amerikaner entstanden ist. Es gibt auch einige SchülerInnen, die mit ‚gar nicht‘ geantwortet haben, jedoch kann man hier anmerken, dass vier Schüler dazugeschrieben haben, dass sie schon zuvor einen positiven Eindruck von Amerikanern hatten.

Von großer Bedeutung ist natürlich auch der frei schreibbare Teil des Fragebogens. Hier wurde deutlich, dass die SchülerInnen viel Spaß an dem Projekt hatten, da es neben den Interviews auch Möglichkeiten gab, sich auf dem Freundschaftsfestival zu vergnügen. Insgesamt 17 Schüler haben das in dem Bereich ‚Das hat mir gefallen‘ erwähnt: Das war somit auch der am häufigsten erwähnte Kommentar. An zweiter Stelle haben elf Schüler erwähnt, dass es ihnen gefallen hat, neue Erfahrungen zu sammeln und die amerikanische Kultur und das Leben in den USA kennenzulernen. Im Bezug dazu wurde manchmal auch erwähnt, dass dies besonders durch die verschiedenen Stände ermöglicht wurde. An dritter Stelle kam die Anmerkung, dass es dort sehr nette und offene Amerikaner gab. Dieser Kommentar wurde etwa neun Mal aufgeschrieben.

Kritisiert wurde an erster Stelle, dass es bei dem Festival zu wenige Englischsprechende gab. Etwa 13 SchülerInnen erwähnten dies. Außerdem fanden sehr viele SchülerInnen die Preise zu hoch und hatten sich die Veranstaltung ein wenig ‚amerikanischer‘ vorgestellt. Ein Kritikpunkt bezüglich des Projekts kam eigentlich nur einmal vor: Einem Schüler oder einer Schülerin gefiel es nicht, dass an dem Projekttag ‚nur‘ das bereits Gekannte angewendet wurde.

Als Fazit haben SchülerInnen oft geschrieben, dass es ihnen im Gesamten gefallen hat und zwei SchülerInnen beschrieben es sogar als ‚einzigartiges, spaßiges Erlebnis‘. Dazu wurde oft erwähnt, dass es besser gewesen wäre, wenn mehr Amerikaner teilgenommen hätten und der Fokus des Festivals mehr auf die Freundschaft gerichtet gewesen wäre. Andere wiederum schrieben, dass das Fest sie positiv überrascht hat. Zwei Mal wurde zudem darauf hingewiesen, dass das Projekt noch ein wenig ausgebessert werden könne, die Idee jedoch gut sei.

 

Gesamtreflexion und Fazit

Im Großen und Ganzen können wir mit der Durchführung unseres Projekts sehr zufrieden sein. Die SchülerInnen haben den Projekttag selbst als eine Bereicherung erlebt und haben für sich etwas mitnehmen können, was sie im traditionellen Unterricht im Klassenraum nicht hätten lernen können. Dies bezieht sich insbesondere auf die Kommunikationskompetenz der Jugendlichen. Durch die Interviews waren sie zur Kommunikation mit amerikanischen Muttersprachlern gezwungen. Für viele war dies der erste Kontakt mit einem Muttersprachler. Dabei hatten die SchülerInnen die Möglichkeit, ihre speaking und listening skills in einem authentischen Setting zu überprüfen.

Im Anschluss an die Interviews berichteten uns die Schüler diesbezüglich ausschließlich von Erfolgserlebnissen. Sie konnten ihre Aufgabe mithilfe ihrer bisher erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der englischen Sprache sehr gut bewältigen. Diese Erfahrung ist besonders im Bereich der Motivation für das weitere Fremdsprachenlernen von großer Bedeutung. Darüber hinaus kann auch der interkulturelle Austausch als positiv bewertet werden. So erzählten uns die SchülerInnen, dass sie von der Offenheit der Amerikaner, mit der sie den Jugendlichen und ihren Fragen begegneten, positiv überrascht waren. Zudem konnten sie neue Informationen bezüglich der amerikanischen Kultur sammeln und dies nicht aus Büchern oder Erzählungen anderer, sondern aus erster Hand von Amerikanern selbst. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass die Förderung der interkulturellen Kompetenz wesentlich effektiver gewesen wäre, hätten wir die Aufmerksamkeit der Schüler bereits in der Vorbereitung darauf gelenkt. So kann die Überwindung von Stereotypen nur dann erfolgen, wenn eine aktive Reflexion der eigenen stereotypen Denkstrukturen stattfindet (Roche 14.).

Da wir jedoch nicht ausreichend Zeit zur Vorbereitung hatten und uns deshalb auf Organisatorisches sowie die Entwicklung der Aufgabenstellung konzentrieren mussten, fand die umfangreiche Thematisierung interkultureller Lernprozesse und Stereotypen nicht statt. Ebenso problematisch war der Mangel an Hintergrundwissen. So hatten wir in der Vorbereitung auch keine Zeit, mit den Schülern über die amerikanische Kultur oder das deutsch-amerikanische Verhältnis zu sprechen. Wir hatten es also verpasst, ihr Vorwissen zu aktivieren und somit den Lernprozess zu unterstützen. So erscheint es uns sinnvoll, den Besuch des Friendship Festivals in ein länger angelegtes Projekt einzubetten, etwa in einer Projektwoche, sodass ausreichend Zeit zur Verfügung steht, die Schüler thematisch und auch methodisch vorzubereiten. Dann kann der unmittelbare Kontakt mit den Muttersprachlern weit über die Förderung der Kommunikationskompetenz hinausgehen und seine Wirkung auch im Bereich der interkulturellen Kompetenz entfalten.

Merve Bedir, Henrike Bogacki, Bianca Wochner und Sükran Karadas, Americans in Germany, in: USE: Universität Studieren / Studieren Erforschen, 10.02.2016, URL: http://use.uni-frankfurt.de/pbl/americans/.

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