Wolfgang Liepe

  • geboren am 27. August 1888 in Schulzendorf (Mark Brandenburg), gest. am 10. Juli 1962 in Kiel
  • 1906 Abitur in Potsdam
  • 1919 bis 1928 Dramaturg am Stadttheater Halle a. d. Saale, zeitgleich auch Privatdozent und ab 1925 außerordentlicher Professor für Germanistik an der Universität Halle a. d. Saale
  • 1928 bis 1933 ao. Professor für Deutsche Literaturgeschichte  an der Universität Kiel
  • 1934 bis 1936 ao. Professor für Deutsche Literaturgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität; ab 1936 wieder in Kiel als Lehrbeauftragter
  • 1939 Exil in den USA, dort Lehrtätigkeit erst in Yankton (Süd-Dakota), dann in Chicago Professor für Germanistik
  • 1954 Rückkehr nach Kiel, dort wieder als Professor für Theaterwissenschaft bis zur Emeritierung 1956

Wolfgang Liepe wurde am 27. August 1888 in Schulzendorf (Mark Brandenburg) geboren. Nach dem Tod des Vaters, der ebendort evangelischer Pfarrer war, zog die Familie nach Potsdam, wo Liepe bis 1906 das humanistische Gymnasium besuchte. Anschließend studierte Liepe in Berlin, Paris und Halle a. d. Saale, wo er 1913 promoviert wurde. 1916 trat er in den Schuldienst, nachdem er aus gesundheitlichen Gründen als kriegsdienstuntauglich eingestuft worden war. Nach der Habilitation 1919 in Halle wirkte Liepe bis 1928 als Dramaturg am Stadttheater in Halle; parallel dazu verfolgte er seine akademische Karriere weiter und wurde ebendort 1919 zum Privatdozenten, 1925 zum außerordentlichen Professor für Germanistik ernannt. 1928 wurde er als außerordentlicher Professor mit den Rechten eines persönlichen Ordinarius für  Deutsche Literaturgeschichte nach Kiel berufen. Schon kurz nach der nationalsozialistischen ,Machtergreifung‘ wurde gegen ihn in Kiel wegen seiner jüdischen Ehefrau und wegen seines vorherigen Eintretens für die DVP agiert; als Folge  dieser Aktionen wurde er erst beurlaubt und dann 1934 an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt zwangsversetzt. Schon zwei Jahre später wurde er dann allerdings wieder nach Kiel, diesmal aber als Lehrbeauftragter und unter Verlust seiner Professur, zurückversetzt. 1939 ging Liepe ins Exil in die USA; dort lehrte er erst in Yankton (South-Dakota), ab 1947 in Chicago. 1956 kam Liepe aus dem Exil zurück; er ging wieder nach Kiel, wo er seine ehemalige Professur wiedererhielt, die er bis zu seiner Emeritierung 1956 innehatte. Am 10. Juli 1962 verstarb er in Kiel.

1906 bis 1913 Studium der Germanistik, Romanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin, Paris und Halle a. d. Saale
1913 Promotion in Halle a. d. Saale („Das Religionsproblem im neueren Drama von Lessing bis zur Romantik“)
1914 Staatsexamen mit einer Arbeit über Schellings Kunsttheorien
1919 Habilitation in Halle a. d. Saale („Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, Entstehung und Anfänge des Prosaromans in Deutschland“)
1919 Privatdozent für Germanistik an der Universität Halle a. d. Saale
1925 Außerordentlicher Professor für Germanistik an der Universität Halle a. d. Saale
1928 Außerordentlicher Professor (mit den Rechten eines persönlichen Ordinarius) für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Kiel, Direktor des dortigen Literaturwissenschaftlichen Instituts mit Theatermuseum und Hebbelmuseum.
1929/30 Gastdozentur an der Harvard Universität Cambridge (USA)
1934 Außerordentlicher Professor (mit den Rechten eines persönlichen Ordinarius) für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Frankfurt/Main
1936 Lehrbeauftragter für Theaterwissenschaften und Neuere deutsche Literatur an der Universität Kiel
1939 Unterricht der deutschen Sprache und Kultur am Yankton College (South-Dakota, USA)
1947 Associate Professor für Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität von Chicago (USA)
1954 bis 1956 Ordentlicher Professor für Theaterwissenschaft und Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Kiel

Monographien

  • Das Religionsproblem im neueren Drama von Lessing bis zur Romantik. Teildruck Halle a. d. Saale 1913, vollständig Halle a. d. Saale 1914 (Dissertation). Nachdruck: Walluf 1972.
  • Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Entstehung und Anfänge des Prosaromans in Deutschland. Halle a. d. Saale 1920 (Habilitationsschrift). Neudruck: Die Entstehung des Prosaromans ins Deutschland. In: Wolfgang Liepe, Beiträge zur Literatur- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Eberhard Schulz. Mit einem Geleitwort von Benno von Wiese (Kieler Studien zur deutschen Literaturgeschichte 2). Neumünster 1963.
  • [Edition von] Hebbels Werke. 4 Bde. Berlin 1925.
  • Natur und Kunst im bildnerischen Erlebnis Goethes. [Rede, gehalten bei der Goethefeier der Christian-Albrechts-Universität Kiel am 27. April 1932]. Kiel 1932.
  • Beiträge zur Literatur- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Eberhard Schulz. Mit einem Geleitwort von Benno von Wiese (Kieler Studien zur deutschen Literaturgeschichte 2). Neumünster 1963.

Aufsätze (Auswahl)

  • Die Entstehung des Prosaromans in Deutschland. In: Zeitschrift für Deutschkunde 36 (1922), S. 145–161.
  • Der junge Schiller und Rosseau. Eine Nachprüfung der Rousseaulegende um den „Räuber“-Dichter. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 51 (1926), S. 299–328.
  • Der Schlüssel zum Weltbild Hebbels: Gotthilf Heinrich Schubert. In: Monatshefte 43 (1951), S. 117–132.
  • Hebbel und Schelling. In: Deutsche Beiträge zur geistigen Überlieferung 2 (1953), S. 121–188.
  • Unbekannte und unerkannte Frühprosen Hebbels. In: Hebbel-Jahrbuch 1958, S. 9–32.
  • Mensch und Gesellschaft im modernen Drama. Vortrag, gehalten an der Universität Chicago 1947 und bei den Kieler Universitätstagen 1955. In: Beiträge zur Literatur- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Eberhard Schulz. Mit einem Geleitwort von Benno von Wiese (Kieler Studien zur deutschen Literaturgeschichte 2). Neumünster 1963, S. 382–398.
SoSe 1935 Drama und Theater in Deutschland im 18. Jahrhundert
Seminaristische Uebungen zur Aesthetik der Schauspielkunst
WiSe 1935/36 Faust in deutscher Sage und Dichtung
Seminaristische Übungen zur Bühnengeschichte des Faust
SoSe 1936 Goethe (bis zur italienischen Reise)
Natur und Kultur: Uebungen zur Entwicklung des Problems vom Sturm und Drang zur Klassik
Theaterwissenschaftliche Uebungen zur Bühne des 19. Jahrhundert.

(Bild: Stadtarchiv Kiel)

Wolfgang Liepe zwischen Theater und akademischer Laufbahn

„Für die reiche vielseitige Begabung und die von inneren Spannungen erfüllte Natur Wolfgang Liepes war charakteristisch, daß es ihn schon früh zum Theater hinzog und die Bühne ihm zeitweilig verlockender erscheinen konnte als die wissenschaftliche Laufbahn des Gelehrten. Als er 1913 bei Aufführungen klassischer Dramen [...]" [Weiterlesen]

Liepes Beitrag zur Altgermanistik

In seiner Forschung widmete sich Liepe neben der Theatergeschichte schwerpunktmäßig der Literatur des 18. Jahrhunderts sowie  Schiller, Hebbel und der Rosseau-Rezeption. Besonderen Raum, durchaus auch als sein „Lebenswerk“ zu bezeichnen, nimmt hier die Deutung der Dichtung Hebbels und ihre geistesgeschichtliche Einordnung ein. In Aufsätzen zur Jugend Hebbels stellt Liepe [...] [Weiterlesen]

Quellen

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